Kürzlich wurden die Dreharbeiten zu „Der Buchspazierer und die Liebe“, der Fortsetzung des erfolgreichen Kinohits von 2024, abgeschlossen. Während der erste Teil noch an anderen Schauplätzen entstand, hat sich das Team um Regisseur Ngo The Chau für das neue Kapitel teilweise für die Kulisse Südtirols entschieden.
Im ersten Teil wurde die Geschichte von Buchhändler Carl Kollhoff erzählt, gespielt vom bekannten deutschen Schauspieler Christoph Maria Herbst, der seinen Stammkunden das passende Buch für ihre jeweilige Lebenssituation nach Hause bringt und dabei von der neunjährigen Schascha begleitet wird. Im Folgeteil setzt er seine erlebnisreichen Touren fort – dabei geht es vor allem auch um die Liebe.
Anlässlich der Dreharbeiten in Südtirol, die in Neustift stattfanden, haben wir mit den Hauptbeteiligten gesprochen.
3 Fragen an Regisseur Ngo The Chau
Was hat Sie dazu bewogen, für die Fortsetzung bewusst einen Drehort wie Südtirol zu wählen – welche ästhetische Stimmung wollten Sie für diesen Teil einfangen?
Ich habe schon vor zehn Jahren den Kinofilm „Die Pfefferkörner“ hier gedreht und dabei tolle Erfahrungen gemacht. Wir konnten damals sehr gute Aufnahmen herstellen – in den Bergen bei traumhaftem Wetter und in den schönsten Gegenden Südtirols. Das hat mich damals schon fasziniert und es ist immer noch so. Man sieht, dass Südtirol, speziell auch die Dolomiten, einfach ein Magnet sind. Das ist ein Erbe, mit dem man natürlich sorgfältig und sorgsam umgehen muss, damit dies eben auch weiterhin bestehen bleiben kann. Im Film treten wir mit unserer Geschichte in die Fußstapfen von Goethe und möchten seine berühmte Etappenreisen nach Italien – durch Südtirol bis nach Verona – nachvollziehbar machen. So spielt in einem Teil des Films eben Südtirol eine Rolle.
„Der Buchspazierer“ lebt von seiner besonderen Ruhe und Atmosphäre; wie anspruchsvoll ist es, diesen „Zauber“ bei einer Fortsetzung beizubehalten, ohne sich zu wiederholen?
Manchmal sind Wiederholungen wichtig, um die Zuseher wieder an die Momente und in die Atmosphäre zu bringen, die man schon auch gesehen oder erlebt hat. Daneben lebt die Geschichte von vielen neuen Dingen und Aspekten. Es wird sehr viel Neues geben. Wir werden neue Elemente wie eben die Reise durch Südtirol sehen. Wir wissen auch: jedes Bild, das wir hier drehen, wird dem Film guttun, weil wir diese Art der Bilder noch nie beim ersten Buchspazierer gesehen haben.
Wie arbeiten Sie mit Christoph Maria Herbst zusammen, um die feinen Nuancen von Carl Kollhoff in den neuen Situationen des Drehbuchs herauszuarbeiten?
Das hat sich bei mir und Christoph durch das Kennenlernen im Film so genial entwickelt, dass wir uns fast symbiotisch ergänzen und jeder seine Stärken nutzt. Ich komme ganz klar aus dem visuellen Bereich, er aus der Sprache, der Literatur. Da ist er zum Beilspiel viel erfahrener als ich. Er hat diese Rolle des Buchspazierers sehr stark verinnerlicht, ich muss ihm nur in der reinen Filmdramaturgie den Weg zeigen, der Rest erschließt sich ganz fein über unsere Ideen. Die Ideen schmeißen wir uns gegenseitig in der Probe hin und her, das beginnt schon in der Leseprobe und im theoretisch im Stoff, in der Entwicklung der Story. Wenn man das Glück hat, schon die perfekte Besetzung zu haben, ist alles, was folgt, nur noch reine Freude. Ja, unsere Zusammenarbeit ist jeden Tag ungelogen eine Freude. Das klappt so gut, dass man sich super vorstellen könnte, noch mehr davon zu machen, vielleicht auch einen nächsten Teil.
3 Fragen an Produzent Björn Vosgerau
Die Entscheidung, für die Fortsetzung nach Südtirol zu gehen, ist sicher auch produktionstechnisch spannend – welche logistischen oder kreativen Vorteile bietet die Region für das Projekt?
Am Anfang stand die inhaltliche Idee, dass wir den Buchspazierer auf Goethes Reise nach Italien bringen, und die fängt nun mal in Südtirol an. Deswegen wussten wir, wenn wir hier drehen, wäre das der beste Weg. Und dann gibt es natürlich weitere gute Voraussetzungen wie die Förderung und viele Filmschaffende. Ebenso logistische eine Nähe. So haben wir mit der Produktionsgesellschaft Albolina gesprochen und es kam sozusagen das Inhaltliche mit dem Finanziellen und dem Produktionellen zusammen.
Nach dem Erfolg des ersten Teils sind die Erwartungen hoch: Worin lag für Sie die größte Herausforderung bei der Entwicklung und Finanzierung dieses zweiten Teils?
Wenn der erste Teil erfolgreich ist, dann denkt man immer, jetzt müssen wir einen zweiten Teil machen. Die erste Geschichte war sehr abgeschlossen. Deshalb ging es darum, eine neue Geschichte zu entwickeln und da kam dem Romanautor Carsten Henn und dem Drehbuchautor Andi Rogenhagen die gemeinsame Idee, dass es um die Liebe gehen könnte.
Was macht für Sie den Kern dieser Geschichte aus, der auch im zweiten Teil wieder ein großes Kinopublikum begeistern soll?
Es ist die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Buchspazierer und Schascha, dem jungen Mädchen, über die Generationen hinweg. Dann kommt die Liebe dazu, die sei beide erleben – aber der Spiegel sind immer die beiden und ihre Freundschaft. Es eine Geschichte, die aus sich selbst heraus funktioniert, eine neue, ganz eigene Story. Auch die Tonalität ändert sich, wir sind ein bisschen erwachsener geworden. Trotzdem werden viele typische und beliebte Elemente, die der erste Teil geliefert hat, auch bedient. Eine Herausforderung war es auch, das Timing anzupassen: der Roman kommt im Frühjahr heraus, der Film im Herbst, der Romanautor schreibt am Drehbuch mit und verfasst dann auch seinen Roman, und zugleich läuft die Filmproduktion.
Folgende lokale Filmschaffenden sind bei der Produktion in Südtirol mit dabei:
- Marino Di Fiore, 2. Kameraassistenz, Video Assist
- Julia Alber, 1. Kameraassistenz
- Jonathan Rinn, Oberbeleuchter
- Leander Promberger, Lichtassistenz
- Erwin Canderle, Lichtassistenz
- Omar Kerschbaumer, Base Manager
- Tanja Leccacorvi, Außenrequisite Assistenz
- Ester Seppi, Kamera Assistenz
- Stefano Bernardi, Tonmeister
- Matilde Ramini, Tonmeisterin
- Valeria Errighi, Location Scout
- Services: Alpsvivision, Eagle Service, Adolf Mayer Kutschen mit Pferden