Local Talents: 3 Fragen an ... Daniela Trocker

Lesedauer

Daniela Trocker ist eine empathische und vielseitige Trickfilmerin und Diplom-Designerin, deren Leidenschaft für Zeit und Bewegung sich in einem fundierten Fachwissen über verschiedene Animationstechniken widerspiegelt. Als Expertin für CG/VFX, aber auch als Regisseurin von Kurzfilmen, betrachtet sie Animation als ein Gesamtkunstwerk, bei dem sich unterschiedliche Kunstformen ergänzen und nicht beliebig wirken sollen. Ihr breites Spektrum an Erfahrungen erstreckt sich über den gesamten Entstehungsprozess eines Films.

Take

Sie beschreiben Trickfilm als einem Gesamtkunstwerk ebenbürtig, bei dem Zeit und Bewegung im Mittelpunkt stehen. Was hat Sie dazu bewogen, sich dieser speziellen Kunstform zu widmen, und wie sehen Sie die Verbindung zwischen Ihrem Diplom-Design-Hintergrund und Ihrer Arbeit in CG/VFX und Animation?

Daniela Trocker

Es wäre fast zu simpel zu sagen, dass mich Zeichentrickfilme schon als Kind begeistert haben – das geht wohl 90 Prozent aller Kinder so. Mein Weg in die Animation war vielmehr auch, oder vor allem, eine Fortsetzung meiner Leidenschaft für Bewegung und Tanz. Ich trainiere seit fast drei Jahrzehnten klassisches Ballett. Diese unermüdliche Suche nach der perfekten Linie und der Präzision in der Bewegung ist das, was mich auch am Computer antreibt. Als Animatorin ist mein eigener Körper mein wichtigstes Werkzeug: Durch das Ballett habe ich die Freiheit, Bewegungen vor der Kamera selbst zu explorieren und zu verstehen, bevor ich sie digital umsetze. Mein Hintergrund als Diplom-Designerin bildet dabei das Fundament. Für mich ist die Animation kein Bruch mit dem Design, sondern dessen Krönung. Wenn man die Regeln von Layout und Typografie einmal beherrscht und dann das Prinzip der 24 Bilder pro Sekunde adaptiert, verschmelzen Grafik und Bewegung ganz natürlich zu diesem „Gesamtkunstwerk“, von dem wir sprechen.

Take

Ihr Portfolio reicht von CG/VFX bis zur Regie von Kurzfilmen. Wie beeinflussen sich diese unterschiedlichen Bereiche gegenseitig in Ihrer Arbeit, und gibt es eine Disziplin, die für Sie die größte kreative Freiheit bietet?

Daniela Trocker

Meine Core-Disziplin ist der Trickfilm in all seinen Facetten – von 2D über 3D bis hin zu Stop-Motion. Es ist die Technik, die mir die größte Freiheit gibt, meine Visionen ohne Kompromisse umzusetzen. In meiner Arbeit beeinflussen sich Technik und Regie ständig: Das Wissen darüber, was im CG/VFX-Bereich möglich ist, erweitert meinen Spielraum als Regisseurin enorm. Die Animation bleibt für mich jedoch das wichtigste Werkzeug, um Geschichten genau so zu erzählen, wie ich sie im Kopf habe.

Take

Als „empathische Trickfilmerin“ – gibt es ein bestimmtes Projekt oder eine Erfahrung, die Sie in Ihrer vielfältigen Karriere besonders geprägt hat? Und welche Art von Geschichten oder künstlerischen Herausforderungen reizen Sie in der Animation besonders, um Ihre Vision eines „Gesamtkunstwerks“ weiter zu verwirklichen?

Daniela Trocker

Mein Weg zum „Gesamtkunstwerk" führte über sehr unterschiedliche Stationen. Mein Einstieg 2017 in die internationale Produktion „Hexe Lillis eingesacktes Weihnachtsfest“ lehrte mich technische Präzision, während mein Herzensprojekt „Der Gemüsegarten meines Vaters“ meine künstlerische Handschrift festigte. Durch meine Arbeit im VFX-Produktionsmanagement für Franchises wie „Die Schule der magischen Tiere“ und „Woodwalkers“ verstehe ich heute das große Ganze: Wie sich hunderte VFX-Shots zu einer stimmigen, emotionalen Welt fügen. Mich reizt die Herausforderung, für jede Geschichte eine eigene visuelle Sprache zu finden. Dabei ist es mein Ziel, die Grenze zwischen technischer Machbarkeit und emotionaler Tiefe zu überwinden – um ein Werk zu schaffen, das technisches Können mit empathischem Erzählen vereint.

Take

Die Local Talents sind von IDM Film & Music Commission ausgewählte Südtiroler Filmschaffende und Fachkräfte, die in der lokalen Filmbranche tätig sind. In Kurzinterviews erzählen sie, was sie an ihrem Beruf und am Film lieben.

Foto Daniele Fiorentino
Veröffentlicht am 04.09.2026