Local Talents: 3 Fragen an ... Mattia Ottaviani

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Mattia Ottaviani hat an der ZeLIG Film School in Bozen sein Diplom gemacht und ist spezialisiert als Steadicam-Operator. Er verfügt über langjährige Erfahrung in Spielfilmen, TV-Serien, Dokumentarfilmen, Werbespots und Musikvideos und hat auf zahlreichen nationalen und internationalen Sets gearbeitet.

Take

Wie sind Sie zum Film gekommen und insbesondere zu Ihrem Beruf als Kamera- und Steadicam-Operator?

Mattia Ottoviani

Ich bin schon als Kind durch „Der Herr der Ringe“ zum Film gekommen: Ich erinnere mich an die DVD-Boxen mit dem „Behind the Scenes - Material“, die mir eine neue Welt eröffnet haben. Die Einblicke weckten meine Neugier für das, was hinter der Kamera passiert, und faszinierten mich sofort. Daraufhin verfolgte ich auch mit meiner Ausbildung eine klare Richtung: Ich lernte die Grundlagen des Films am Liceo F. Depero, dann Dokumentarfotografie an der ZeLIG und besuchte schließlich spezialisierte Kurse, um die Rolle des Kamera- und Steadicam-Operators zu perfektionieren (Steadicam in Teneriffa und Paris, Trinity in Paris und Filmbetrieb/Kamera in Catania).

Take

Die Arbeit mit der Steadicam ist körperlich und mental anstrengend. Was fasziniert Sie am meisten an diesem Instrument?

Mattia Ottoviani

Ja, Geist und Körper werden auf die Probe gestellt, und vielleicht macht genau das die Rolle so einzigartig. Wenn der Motor angeht, ist das elektrisierend: Man wird Teil der Szene, fast wie ein weiterer Darsteller; die Perspektive des Zuschauers, die Choreografie und das Blocking werden wesentlich. Alles muss synergetisch funktionieren und man selbst steht im Zentrum des Geschehens. Die Verantwortung ist groß, weil man die vereinbarte Kamerabewegung beibehalten muss und der Regie gleichzeitig ermöglichen möchte, verschiedene schauspielerische Interpretationen zu wählen. Das bedeutet man muss flexibel bleiben, denn im kreativen Prozess, ändern sich mitunter Positionen, Timing oder Fokus. Sobald dann aber alles funktioniert, ist das eine große Genugtuung: wenn alles perfekt ineinandergreift, spürt man im Herzen, dass man die richtige Aufnahme gemacht hat.

Take

Gibt es ein Projekt oder Set, das Ihnen besonders große Genugtuung gegeben und eine wichtige Herausforderung dargestellt hat?

Mattia Ottoviani

Es ist schwer, ein einzelnes Projekt zu nennen: Jede Arbeit hat ihre eigenen Schwierigkeiten, Herausforderungen und glücklicherweise auch Genugtuungen. Ich bin jedes Mal glücklich und dankbar, wenn ich meine Komfortzone verlasse, weil das bedeutet, dass ich mich verbessern, Erfahrung sammeln und daran wachsen kann. Das können ganz verschiedene Situationen sein: die Cruise-Show von Louis Vuitton, bei der ich erstmals mit weltbekannten Schauspielern gearbeitet habe; die schlammigen Schützengräben und der Regen bei TING; die Camera Cars bei Marianengraben; die Schneeläufe bei Ricordati che ti Voglio Bene; die Schießereien in Città di Vita; der Wind auf den Gipfeln für Der Spaziergang nach Syrakus; die One-Take-Aufnahme für das Musikvideo von Notte Fonda; die Dreharbeiten in den Wäldern Estlands für Von Fock; die Strände und Klippen von Der Ursprung der Liebe. Jede kleine Herausforderung hat mich wachsen lassen, und dafür bin ich sehr dankbar. Das beste Erfolgsgefühl gibt es dann, wenn ich den Trailer oder das fertige Ergebnis sehe: Das ist für mich der emotionalste Moment überhaupt.

Take

Die Local Talents sind von IDM Film & Music Commission ausgewählte Südtiroler Filmschaffende und Fachkräfte, die in der lokalen Filmbranche tätig sind. In Kurzinterviews erzählen sie, was sie an ihrem Beruf und am Film lieben.

Foto Daniele Fiorentino
Veröffentlicht am 24.04.2026