Pasta, Wein und Disziplin

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Toskana-Atmosphäre in Margreid: Der Ansitz Casòn Hirschprunn war Drehort für den IDM-geförderten Kinofilm Der Spaziergang nach Syrakus (Arbeitstitel). Mit Hauptdarsteller Charly Hübner und lokaler Beteiligung vor der Kamera und hinter den Kulissen. Ein Setbesuch.

Mit einem zufriedenen Lächeln sitzt Paul an einem Tischchen im Freien eines Restaurants. Er streut reichlich Parmesan über seine dampfende Pasta alla puttanesca, führt jede Gabel mit sichtlichem Appetit zum Mund und blickt verträumt auf die Hausfassaden, deren warmer Stein im Mittagslicht leuchtet. So wird es später auch das Kinopublikum erleben.

In Wirklichkeit ist es jedoch bereits der vierte Teller Nudeln, den Schauspieler Charly Hübner alias Paul Gompitz an diesem Vormittag bewältigt. Der Hunger ist längst gestillt. Doch Regisseur Lars Jessen will noch eine andere Perspektive – und ordnet Take Nummer fünf an. Hübner nimmt’s gelassen. Es gibt Schlimmeres, als bei herrlichem Herbstwetter italienische Pasta zu essen und zwischendurch an einem Glas Südtiroler Wein zu nippen.

Toskana und DDR

Seit über zwei Stunden ist der Innenhof des Casòn Hirschprunn in Margreid von Stativen, Scheinwerfern und Mikroschwenks belebt – und von den Stimmen der Crew, die jedes Detail hinterfragt und wieder und wieder von vorne beginnt. Im Film wird der Ansitz zum „Ristorante Da Giuliano“ in der Toskana zu sehen sein. Vermutlich nicht viel mehr als eine Minute wird vom gesamten Drehvormittag übrigbleiben.

Das Drehbuch von Heide und Rainer Schwochow zum Film (Production Pandora Film, Co-Production Florida Film) basiert auf dem Roman Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus von Friedrich Christian Delius und spielt Ende der 1980er-Jahre. Angeregt durch eine Schullektüre träumt Paul aus der damaligen DDR davon, eines Tages nach Italien zu reisen. Da ihm das auf legalem Weg verwehrt bleibt, fasst er den Plan zu fliehen. Selbst seiner Frau Anne, gespielt von Lina Beckmann, erzählt er nichts davon. Schließlich überschreitet er nach vielen Mühen die österreichisch-italienische Grenze. Doch im vermeintlichen Paradies Italien macht er nicht nur positive Erfahrungen …

Gelassene Perfektion

Gespanntes Warten am Set. Das Rotorengeräusch eines Hubschraubers übertönt jedes Wort. Dann schlagen die Margreider Kirchenglocken – es ist elf Uhr. Und schließlich mischen sich auch noch Harfenklänge aus der Nachbarschaft darunter. Die Szene liegt vorerst auf Eis. Einige der gut zwei Dutzend Crewmitglieder überbrücken die Zwangspause mit Scherzen, nutzt die Pause und überschminkt das Tattoo auf Hübners Unterarm noch einmal sorgfältig. Regisseur Lars Jessen steht mit Schildmütze und den Händen in den Hosentaschen neben der Kamera – ruhig, beobachtend. Doch das Team weiß: Hinter dieser Gelassenheit steckt ein Perfektionist – einer, der jedes Detail im Blick hat.

Grenzszenen am Jaufenpass

Die Ruhe am Set nutzt Zita Pichler für den Aufbruch. Die Südtirolerin ist für die hiesigen Dreharbeiten als Art Director engagiert und unterstützt Szenenbildnerin Jenny Roesler. Die beiden müssen weiter zum Jaufenpass, wo in den kommenden zwei Tagen die Szene entsteht, in der Paul die Grenze nach Italien überquert. Unter anderem wird dafür die Enzianhütte in einen Bauernhof verwandelt, auf dem Paul Unterschlupf findet. „Auch am Fleckner See werden wir drehen“, verrät Zita Pichler und hofft auf anhaltend schönes Wetter.

Lokal: Vor der Kamera und hinter den Kulissen

Am Jaufenpass waren auch weitere Südtiroler Schauspieler und Schauspielerinnen am Set beteiligt: die Sarnerin Bettina Manfrà, der Grödner Lukas Spisser, die Boznerin Penelope Frego sowie Karmen Weiss und Michele Montalto. Bereits abgedreht sind die Szenen, in denen auch die Südtirolerin Anna Unterberger zu sehen ist. Die Bozner Schauspielerin, bekannt als schlagfertige Kommissarin Anni Sulmtaler aus den ORF-Steirerkrimis, spielt Ulrike, eine Frau aus Westdeutschland. „Eine kleine, aber feine Rolle, die viel dazu beiträgt, dass Paul seine Reise durchführen kann“, kommentiert Anna Unterberger.

Auch hinter den Kulissen sind mehrere lokale Filmschaffende im Einsatz – einige werden die Produktion noch bis nach Sizilien begleiten. „Ihr seid mittlerweile richtig gut aufgestellt“, bemerkt Fee Buck in einer Drehpause im Gespräch mit der Film and Music Commission IDM Südtirol, die das Projekt gefördert hat. Fee Buck ist Ausführende Produzentin der Kölner Pandora Film, einst vom Südtiroler Produzenten Karl Baumgartner (1949–2014) gegründet. Produzent Christoph Friedel unterstreicht, wie entscheidend Unterstützung vor Ort ist – auch in Form von finanziellen Förderungen: „Ohne sie“, sagt er, „wären Projekte dieser Größenordnung kaum mehr zu realisieren.“ Selbst dann nicht, wenn – wie hier – fast die gesamte Crew im Sinne der Nachhaltigkeit mit der Bahn reist, auf Catering verzichtet und in einfachen Unterkünften übernachtet.

Szenenwechsel

Kurz vor Mittag herrscht im Innenhof des Casòn Hirschprunn Aufbruchstimmung. Geräte werden abgebaut, Utensilien verstaut. Charly Hübner wird in die Maske geschickt: Umziehen, nachschminken, weiter zum Dreh ins Gebäudeinnere. Der Inhalt? Die Produzentin gibt sich bedeckt. Nur so viel verrät sie: Südtirol wird dieses Mal zu Sizilien. Die Innenräume des Ansitzes stellen im Film eine Villa auf der Insel dar. Ob Paul hier sein Glück findet, können die Kinobesucher bei der Premiere des Films am 28. Juni und am 4. Juli beim Filmfestival in München erfahren.

Foto Sammy Hart / Pandora Film
Veröffentlicht am 01.07.2026