Polvo Serán: Eventvorführung im Filmclub Bozen

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Am Montag, 16. März, fand im Filmclub Bozen eine Eventvorführung von Polvo Serán in Anwesenheit von Regisseur Carlos Marques-Marcet und Produzenten Giovanni Pompili statt.

Drei Fragen an Regisseur Carlos Marques-Marcet

Take

In ‚Polvo Serán‘ reisen die Protagonisten für ihren letzten gemeinsamen Weg in die Schweiz, gedreht wurde aber teilweise in Südtirol. Wie war die Suche nach Locations in Südtirol?

Carlos Marques-Marcet

Ich habe nach einem besonderen Ort in den Alpen gesucht, wo man die Berge gut erleben kann und wo die Atmosphäre eine Situation widerspiegelt, die zwischen Himmel und Erde erscheint – passend zum Thema des Films. Diese Situation haben wir im Südtirol gefunden, eine ganz besondere Berglandschaft mit ihrer speziellen Ausstrahlung des Übergangs der Jahreszeiten im Herbst, mit der teilweise schneebedeckten Landschaft.

Take

Ihr Film ist eine mutige Mischung aus dramatischer Komödie und Musical, die ein sehr ernstes Thema behandelt. Haben Sie die Förderung durch die IDM als Ermutigung empfunden, diese ungewöhnliche künstlerische Vision auch fernab von Mainstream-Konventionen umzusetzen?

Carlos Marques-Marcet

Es war eine Herausforderung, mit diesen Gestaltungsmitteln zu arbeiten; Musik und Tanz sind sehr präsent im Film. Sie helfen, die besondere Expression der Gefühle auszudrücken, die der Film vermitteln will. Ohne die Unterstützung durch die IDM wäre diese Herausforderung nicht meisterbar gewesen.

Take

Bei internationalen Koproduktionen wie dieser kommen oft Teams aus verschiedenen Ländern zusammen. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Südtiroler Filmschaffenden und Dienstleistern vor Ort erlebt – gab es bestimmte Momente, in denen deren Expertise für die Produktion entscheidend war?

 

Carlos Marques-Marcet

Was das Besondere am Team war – und vor allem den lokalen Komponenten – sind die Mehrsprachigkeit und die verschiedenen kulturellen Einflüsse. Dies ist wie in meiner Heimat in Katalonien ebenso, wo auch verschiedene Einflüsse zusammentreffen. So habe ich mich auch sehr wohl gefühlt mit einerseits der Lebensfreude der Menschen und andererseits der Genauigkeit in der Arbeitsweise. Dies hat viel zum Gelingen des Projekts beigetragen.

Drei Fragen an Produzent Giovanni Pompili 

Take

Mit Produktionsförderung ist die IDM ein wichtiger Partner für dieses Projekt. Wie entscheidend war diese Unterstützung, um die komplexe Struktur dieser Dreiländer-Koproduktion (Italien, Spanien, Schweiz) erfolgreich auf die Beine zu stellen?

Giovanni Pompili

Bei einem Budget von insgesamt 3 Mio. Euro war der Beitrag der IDM sehr wichtig – ebenso die Unterstützungen aus der staatlichen italienischen Finanzierung, jener der Schweiz sowie der Förderung auf europäischer Ebene. Die Filmproduktion folgt dem europäischen Geist der gemeinsamen Kooperation und einer übergreifenden, transversalen filmischen Identität mit Beteiligten aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen. Dies kennzeichnet auch andere Produktionen von uns.

Take

Südtirol legt großen Wert auf nachhaltiges Produzieren (Green Shooting). Wie gut ließen sich diese Standards bei den Dreharbeiten in der Region umsetzen, und welche Rolle spielte dabei die lokale Unterstützung durch die IDM?

Giovanni Pompili

Die nachhaltige Produktion ist ein großes Anliegen von mir, so kuratiere ich auch einen Workshop am Torino Film Lab, welches sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Im konkreten Fall haben wir versucht, dies in vielen Bereichen zu berücksichtigen, um nur einige Beispiele zu nennen: So wurden für die Energieversorgung Batterien eingesetzt, die teilweise mit Solarpanelen gespeist wurden, anstatt Generatoren zu verwenden; es gab einen eigenen Verantwortlichen für das „Green Management“; bei Transporten, Übernachtungen oder dem Catering wurde möglichst auf das 0-Kilometer-Prinzip gesetzt; zudem wurde möglichst mit lokalen Fachkräften gearbeitet.

 

Take

Sie haben sich entschieden, Teile des Films in Südtirol zu drehen, obwohl die Handlung in der Schweiz spielt. Was hat den Ausschlag für Südtirol gegeben – waren es neben der Förderung auch die landschaftlichen Ähnlichkeiten oder die vorhandene Infrastruktur?

Giovanni Pompili

Die Förderung war ein Plus, aber nicht entscheidend. Was wichtig war, ist die Atmosphäre der Berglandschaft, die dem Film ein besonderes Stilelement verleiht. Ebenso kann in Südtirol auf lokale, kompetente Profis zurückgegriffen werden, was sehr hilfreich für eine professionelle Produktion ist. Ich bin seit 2017 filmisch in Südtirol tätig und habe hier in den vergangenen Jahren einen starken Professionalisierungsschub erlebt. Dies alles trägt dazu bei, dass Südtirol ein interessanter Filmstandort ist.

Über den Film

Claire und Chalo haben eine lebenslange unzerbrechliche Bindung, doch als Claire entdeckt, dass sie Krebs hat, erinnert sie Chalo an ihren alten Pakt: Sie möchte zu ihren eigenen Bedingungen sterben, wenn sie sich dazu entschließt. Chalo erinnert sich, dass der Pakt noch weiter ging: Wenn einer geht, folgt ihm der andere. Also beschließen sie, gemeinsam mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation in der Schweiz aus dem Leben zu gehen. Als Claire aufgrund ihrer Krankheit ihre Beine verliert, teilt sie ihrer Tochter Morgana die Entscheidung mit. Als Morgana zufällig erfährt, dass auch Chalo sterben will, berichtet sie der Familie vom Vorhaben, was die unterschiedlichsten Reaktionen auslöst. Am nächsten Tag fahren Chalo, Claire und Morgana in die Schweiz und treffen Inger, die freiwillige Helferin der Organisation. In ihren letzten Tagen schwankt Claire zwischen Vitalität und Zerbrechlichkeit, während sie versucht, die Kraft zu finden, sich dem zu stellen, was passieren wird.

Foto Daniele Fiorentino
Veröffentlicht am 30.03.2026

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