Local Talents: 3 Fragen an … Ingrid Blasbichler

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Die Boznerin Ingrid Blasbichler begann die Ausbildung zur Werbegrafikerin, machte dann doch eine Friseurlehre – aber im Salon stehend sah sie sich nie, sondern wollte den Beruf weiterdenken. So führte sie der Weg ins Theater. TAKE erzählt sie, wie sie als Maskenbildnerin zum Film kam und wie ihre Charaktere Gestalt annehmen.
Take

Ihr Einstieg in ihren Beruf begann mit dem Theater, erste große Station Salzburger Festspiele. Heute liegt Ihr Schwerpunkt klar beim Film. Wo liegt der Unterschied?

Ingrid Blasbichler

Durch die Salzburger Festspiele kam ich recht schnell in den ganzen „Zirkus“ hinein – bald auch zum Film. Anfangs bevorzugte ich keine ganzen Filme zu begleiten, da meine Kinder noch klein waren. An Filmprojekten, die durch die IDM Filmförderung nach Südtirol kamen, konnte ich so mitarbeiten.
Mittlerweile reise ich mit den Produktionen über Monate mit und begleite so den ganzen Film. Die Arbeit am Set ist sehr intensiv, zwölf Stunden oder mehr am Tag sind normal. Das Theater ist ein Ausgleich und ich mag die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Hinter der Bühne ist es eine etwas andere Arbeit. Die Vorbereitung erfolgt vor der Aufführung, die Arbeitszeiten sind meist kürzer, die Arbeit ist regelmäßiger und alles konzentriert sich auf den einen Ort.

Take

Wie entsteht für Sie eine Rolle im Film?

Ingrid Blasbichler

Filme sind für mich wie ein Puzzle, das sich nach und nach zusammenstellt und Form annimmt. Zuerst lese ich das Drehbuch und versuche die Charaktere für mich zu verstehen und herauszuholen, wie ich sie sehe. Die Vorbereitung ist von Produktion zu Produktion unterschiedlich und dauert manchmal auch Wochen bis zum Drehbeginn. Historische Filme sind besonders anspruchsvoll. Aus der Zusammenarbeit mit Kostümbild und Regisseur entsteht der endgültige Charakter – unsere Perspektiven fügen sich zusammen und man findet es entsteht die Figur.
Zuletzt habe ich an einer Produktion gearbeitet, die unter anderem in den 1980er-Jahren spielt. Das Hauptaugenmerk lag auf den Frisuren und Kostümen. Jeder einzelne Darsteller und Komparse muss in so einem Projekt gefittet werden. Ich mag es, wie ich eine Person mit gezielten Griffen in einen anderen Menschen aus einer anderen Zeit verwandeln kann.

Take

Ihr bisher prägendstes Projekt?

Ingrid Blasbichler

Das ist schwierig, jeder Film hat seine Reize. Letztes Jahr habe ich mit einer japanischen Produktion in Venedig gedreht. Die Verbindung der Kulturen am Set und die japanische Arbeitsweise waren beeindruckend. Normalerweise wird die Vorbereitung des Films getrennt gemacht. Hier waren wir alle gleichzeitig vor Ort. Die Kostümbildner waren aus Frankreich und Japan über Zoom zugeschaltet. Das war für mich ein ganz besonderer Einstieg in ein neues Projekt.
Mein nächstes Projekt verspricht eine neue Herausforderung zu werden – mit Nachtdrehs in Schnee und Eis auf über 1.500 Metern.

Take

Die Local Talents 2025 sind von IDM Film & Music Commission ausgewählte Südtiroler Filmschaffende und Fachkräfte, die seit 10 und mehr Jahren in der lokalen Filmbranche tätig sind. In diesen Kurzinterviews erzählen sie, was sie an ihrem Beruf und am Film lieben.

Foto (c) Tiberio Sorvillo
Veröffentlicht am 23.01.2026