Zweitland gewinnt Bayerischen Filmpreis 2026 für die beste Newcomer-Regie

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Bei der festlichen Verleihung des Bayerischen Filmpreises am Freitag, 23. Januar 2026 in München wurde Michael Kofler für sein Langfilmdebüt Zweitland in der Kategorie „Newcomer-Regiepreis“ ausgezeichnet.

Die Jury lobte Koflers Film als einen „Heimatfilm“, der in jeder Szene den Wert von Heimat und Identität hinterfrage, auf Postkartenklischees verzichte und stattdessen eine raue, abgründige Landschaft und charakteristische Figuren zeige. Für ein Regiedebüt sei dies „eine große, reife Leistung“. Kofler nahm die Trophäe aus den Händen von Moderatorin Sandra Rieß entgegen und betonte in seiner Dankesrede, dass letztlich Diplomatie und politischer Dialog Frieden in die Provinz gebracht hätten — ein Gedanke, der ihn beim Entstehen des Films immer wieder ermutigt habe.

Inhalt und Themen

Zweitland spielt im Südtirol des Jahres 1961 vor dem historischen Hintergrund einer Serie separatistischer Bombenanschläge und einer verstärkten Präsenz italienischer Sicherheitskräfte. Im Zentrum stehen die Brüder Paul (Thomas Prenn) und Anton (Laurence Rupp) sowie Antons Ehefrau Anna (Aenne Schwarz). Während Paul als sensibler, kunstinteressierter junger Mann aus seinem Dorf entkommen und Malerei studieren möchte, radikalisiert sich Anton im Kampf um den Schutz der deutschsprachigen Minderheit — bis Anton als Attentäter enttarnt und zur Flucht gezwungen wird. Paul muss sich zwischen familiärer Loyalität und persönlicher Selbstverwirklichung entscheiden; während Anna beginnt, sich gegen patriarchale Strukturen ihres Umfelds zu behaupten.

Der Film thematisiert Identität, Sprachkonflikte, Loyalität und die moralischen Ambivalenzen von Gewalt und Widerstand.

Entstehung, Sprache und Produktion

Michael Kofler schrieb das Drehbuch nach einer Idee, die er bereits 2011 beim RACCONTI Script Lab der IDM Film & Music Commission Südtirol einreichte. Für die Dreharbeiten kehrte Kofler teilweise in seine Heimat zurück. Während die Dialoge primär im Südtiroler Dialekt geführt werden, sprechen die Carabinieri-Figuren hingegen Italienisch. Die Setsprache war jedoch Englisch — diesbezüglich war ein international zusammengesetztes Team aus Deutschland, Österreich und Italien involviert, das gemeinsam am Projekt arbeitete.

Zweitland ist dementsprechend eine Koproduktion der Münchner Starhaus Filmproduktion (Produzenten Wasiliki Bleser und Rainer Kölmel), der Bozner Helios Sustainable Films (Produzent Martin Rattini) und der Wiener KGP Filmproduktion (Gabriele Kranzelbinder, Barbara Pichler). Die IDM Film & Music Commission Südtirol unterstützte die Produktionsphase; weitere Förderer waren FFF Bayern, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), das Österreichische Filminstitut, das italienische Kulturministerium (MIC) sowie das Amt für Film und Medien der Autonomen Provinz Bozen; zudem BR/ARTE und ORF.

Produzent:innen und Beteiligte hoben wiederholt die logistischen Herausforderungen hervor — etwa die Suche nach authentischen Schauplätzen für das ärmliche Südtirol der 1960er-Jahre — sowie die hervorragend gelungene Wiederbelebung der historischen Milieus durch Szenenbild und Kostüme.

Besetzung und künstlerische Handschrift

Die Hauptrollen spielen Thomas Prenn (Paul), Laurence Rupp (Anton) und Aenne Schwarz (Anna). Ergänzt wird der Cast unter anderem von Francesco Acquaroli und Andrea Fuorto in den Rollen der Carabinieri. Koflers Inszenierung legt Wert auf Ausgewogenheit: Er wolle beide Konfliktparteien zeigen und verständlich machen, ohne zu verherrlichen. Visuell und atmosphärisch nutzt Zweitland die düstere Berglandschaft der Villnösser Dolomiten, um die innere und gesellschaftliche Zerrissenheit der Figuren zu spiegeln.

Bedeutung und Ausblick

Mit dem Bayerischen Filmpreis als eine der wichtigsten deutschsprachigen Auszeichnungen (nach dem Deutschen Filmpreis) erfährt Michael Koflers Debüt nun zusätzliche Sichtbarkeit und Anerkennung — insbesondere für die Regieleistung und die sensible Auseinandersetzung mit einem schwierigen Kapitel Südtiroler Geschichte.

Mit der Auszeichnung als „Newcomer-Regiepreis“ öffnet sich für Kofler und sein Team der Weg zu einem noch breiteren Publikum. Zugleich ist die Ehrung eine Bestätigung für die grenzüberschreitende Koproduktion und die filmische Aufarbeitung eines zeitgeschichtlich sensiblen Themas.

Take

Bei der Verleihung in München v.l.n.r.: Martin Rattini (Helios Sustainable Films), Schauspieler Thomas Prenn, Regisseur Michael Kofler, Wasiliki Bleser (Starhaus Filmproduktion), Renate Ranzi (IDM Film & Music Commission), Nina Spilger (Starhaus Filmproduktion), Erwin Hinteregger (CEO IDM)

Veröffentlicht am 29.01.2026

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