Workshop zum Thema Mobbing, Genderdiskriminierung und Belästigung in der Film-, Musik- und Theaterbranche

Die Arbeitswelt der Film-, Musik- und Theaterbranche mit ihren kreativen Hierarchien, oftmals informellen Beziehungen und prekären Produktionsstrukturen ist nicht frei von Mobbing, Machtmissbrauch und ähnlichen Phänomenen. Im Gegenteil: Die emotionale Bindung an die Arbeit, die Vermischung von beruflichem und privatem, sowie die Scheu, Übergriffe aus Angst vor beruflichen Konsequenzen zu melden, machen diesen Bereich besonders anfällig für Diskriminierung und Probleme am Arbeitsplatz. 

Der kostenlose Workshop findet am 28. April auf Deutsch und am 29. April auf Italienisch, jeweils von 9 bis 13 Uhr im Kolpinghaus in Bozen statt. Die Initiative geht auf eine Idee der FAS zurück und wird in Zusammenarbeit mit HDS (Fachgruppe Film), PERFAS, der Gleichstellungsrätin der Autonomen Provinz Bozen, der Psycholog*innenkammer der Provinz Bozen und der IDM Film & Music Commission Südtirol durchgeführt.

Die Einschreibung findet über das Onlineformular statt und ist bis zum 21. April 2026 geöffnet.

 

Programm und Inhalte

 

Im ersten Teil des Workshops, von 9:00 bis 12:00 Uhr, werden von Brigitte Hofer, Gleichstellungsrätin der Autonomen Provinz Bozen und Leiterin der Antimobbingstelle Südtirol vier zentrale Problemfelder in der Arbeitsrealität beleuchtet:

 

  • Mobbing –systematische, schikanierende Verhaltensweisen, die eine Person isolieren, demütigen und destabilisieren und dabei häufig als produktions- oder kunstbezogene Notwendigkeiten getarnt sind. 
  • Geschlechterdiskriminierung – ungleiche Behandlung, Ausschluss von Führungspositionen und ungleicher Zugang zu beruflichen Chancen, die in der Branche weiterhin weit verbreitet sind. 
  • Belästigung – Handlungen, Worte oder feindselige Verhaltensweisen, die die Würde einer Person verletzen und das Arbeitsumfeld einschüchternd oder herabwürdigend machen. 
  • Sexuelle Belästigung– ein viel dokumentiertes und trotzdem nach wie vor untererfasstes Problem in der Unterhaltungsbranche, das durch Machtungleichheiten zwischen Entscheidungsträger:innen und von Ihnen abhängigen Personen, zusätzlich erschwert wird. 

Anhand anonymisierter Fallbeispiele werden sowohl die Herausforderungen der Betroffenen als auch mögliche Lösungen und bewährte Maßnahmen zur Förderung eines gesunden, respektvollen und inklusiven Arbeitsumfelds aufgezeigt.

Ein Teil des Workshops ist der Gruppenarbeit gewidmet: Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, sich aktiv mit den vorgestellten Fällen auseinanderzusetzen, wiederkehrende Dynamiken zu erkennen und gemeinsam konkrete Strategien zur Reaktion und Prävention zu erarbeiten.

 

Der zweite Teil, von 12 bis 13 Uhr, wird von Dr. Ursula Obermair (28. April) und Dr. Francesca Schir (29. April) von der Psychologenkammer Bozen geleitet und konzentriert sich auf die psychologischen Aspekte von Belästigung am Arbeitsplatz.

Mobbing, Belästigung und Diskriminierung haben nämlich nachweislich Auswirkungen auf die psychische Gesundheit: chronischer Stress, Angstzustände, Schlafstörungen, sinkendes Selbstwertgefühl, Verlust des Vertrauens in sich selbst und in das Arbeitsumfeld. Die klinische Forschung stuft die anhaltende Konfrontation mit systematischer Feindseligkeit als potenziell traumatisches Erlebnis ein, dessen Symptome mit denen einer posttraumatischen Belastungsstörung vergleichbar sind – Hypervigilanz, ein Gefühl der Hilflosigkeit, Vermeidung von Situationen, die mit der Stressquelle in Verbindung stehen. Einer der heimtückischsten Aspekte dieser Dynamiken ist, dass sich die Symptome allmählich einstellen und werden oft anderen Ursachen zugeschrieben: Müdigkeit, persönliche Labilität, eine schwierige Phase. Diese verspätete Erkennung verlängert die Dauer der Belastung und erschwert den Genesungsprozess. Im Kurs werden die häufigsten Anzeichen untersucht, die darauf hindeuten, dass eine Situation psychisch schädlich wird. Der Kurs behandelt auch das Thema Scham und die Angst, sich zu melden, und gibt praktische Hinweise dazu, wann und wie man professionelle psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen sollte.

Der Workshop endet mit einem offenen Austausch, um Erfahrungen, Reflexionen und Fragen zu teilen.

Die Referentinnen

Brigitte Hofer - Gleichstellungsrätin der Autonomen Provinz Bozen

Brigitte Hofer wurde am 28. Juli 1967 in Bozen geboren. Sie hat an der Universität Bari „Fremdsprachen und Fremdsprachige Literatur“ studiert und ist ausgebildete Bibliothekarin, Mediatorin und Konfliktcoach. Sie arbeitete als Verwaltungsinspektorin bei der Autonomen Provinz Bozen und befasste sich dabei insbesondere mit Gendermedizin sowie mit Projekten zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Von 2012 bis 2024 war sie als Gewerkschaftssekretärin beim ASGB tätig und gründete eine Beratungsstelle für Konflikte am Arbeitsplatz. Seit 2024 übt sie das Amt der Gleichstellungsrätin der Autonomen Provinz Bozen aus. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören die Bekämpfung von Geschlechterdiskriminierung und Mobbing am Arbeitsplatz. Zudem setzt sie sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein – unter anderem als Präsidentin des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen.   www.gleichstellungsraetin-bz.org

Francesca Schir - Präsidentin Rat der Psycholog*innenkammer Bozen

Francesca Schir ist klinische Psychologin und Psychotherapeutin, Präsidentin der Kammer der Psycholog*innen der Provinz Bozen und Generalsekretärin des Nationalrats der Psycholog*innenkammer (CNOP), wo sie das Komitee für Chancengleichheit leitet. Sie forscht an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen und hat dort einen Doktortitel in Allgemeiner und Sozialer Pädagogik erworben. Ihren Bachelor in Erziehungswissenschaften absolvierte sie an der Universität Padua, ihren Master in Klinischer Psychologie an der LUMSA in Rom. Außerdem schloss sie eine Weiterbildung in analytisch-transaktionaler Psychotherapie ab. Sie ist ehrenamtliche Jugendrichterin des Obersten Justizrats am Berufungsgericht Trient. Zu ihren Arbeits- und Forschungsschwerpunkten zählen psychische Gesundheit in Arbeitskontexten, Gleichstellungspolitiken und Gewaltprävention. Außerdem nahm sie als Referentin an einer Anhörung der parlamentarischen Untersuchungskommission zu Feminiziden und jeder Form geschlechtsspezifischer Gewalt teil.

Ursula Obermair

Ursula Obermair ist Arbeits- und Organisationspsychologin. Nach fast 20-jähriger Erfahrung im Bereich People & Culture in einem internationalen Konzern ist sie seit 2021 Teil von HUMAN&HUMAN. Dort begleitet sie Unternehmen und insbesondere Führungskräfte im Rahmen von Beratungen, Coachings und Entwicklungsprogrammen. Ihre Arbeit ist geprägt von einer klaren Überzeugung: Wirksame Führung entsteht dort, wo Menschen in ihren Stärken gesehen und gezielt weiterentwickelt werden. Auf Basis fundierter psychologischer Kenntnisse und langjähriger Praxiserfahrung unterstützt sie Organisationen dabei, Führung und Zusammenarbeit bewusst zu gestalten und nachhaltig zu verankern. Sie ist Begleiterin und Trainerin für Unternehmen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, sowie Sparringpartnerin und Coach für Führungskräfte, die ihre eigene Wirksamkeit stärken und die Potenziale ihrer Mitarbeitenden entfalten wollen. Seit 2025 ist sie Dozentin an der Freien Universität Bozen im Masterstudiengang „Digital and Socially Sustainable Human Resources Management“.